Ratgeber · Deutsch als Fremdsprache
Deutschkurse für internationale Fachkräfte: Leitfaden für Arbeitgeber
Redaktion Interlexico · Aktualisiert am · 7 Min. Lesezeit
Kurz gesagt
Deutschkurse für internationale Fachkräfte wirken am besten, wenn sie früh im Onboarding starten, sich an den realen Situationen am Arbeitsplatz orientieren und in die Arbeitszeit eingeplant werden. Legen Sie ein Zielniveau nach GER fest, wählen Sie das Format nach Teamgröße (Einzel, Gruppe, Klasse) und messen Sie den Fortschritt regelmäßig. Vom Arbeitgeber bezahlte Deutschkurse, die für die Tätigkeit nötig sind, sind in der Regel kein steuerpflichtiger Arbeitslohn.
Warum betriebliche Deutschkurse sich lohnen
Internationale Fachkräfte bringen Know-how mit — im Alltag scheitert die Zusammenarbeit aber oft an der Sprache: in Teammeetings, bei Telefonaten, beim Verstehen von Arbeitsanweisungen oder im Kontakt mit Behörden. Ein gezielter Deutschkurs verkürzt die Einarbeitung, entlastet Kolleg:innen und erhöht die Bindung an das Unternehmen.
Schritt 1: Zielniveau und Situationen festlegen
Beschreiben Sie, in welchen Situationen die Person Deutsch braucht — und leiten Sie daraus ein Zielniveau nach GER ab. Für einfache Arbeitskommunikation reicht oft B1, für Kundenkontakt und Fachgespräche ist B2 üblich, für Führungsaufgaben C1. Bei reglementierten Berufen, etwa in der Pflege oder Medizin, gelten zusätzliche Vorgaben der zuständigen Anerkennungsstellen.
Schritt 2: Das passende Format wählen
Das Format richtet sich nach Anzahl, Niveau und Arbeitszeiten der Teilnehmenden:
- Einzelunterricht: für Führungskräfte und Spezialist:innen, die schnell für konkrete Aufgaben fit werden müssen — mit freier Terminwahl.
- Gruppentraining: für bis zu 7 Personen mit ähnlichem Niveau und gemeinsamen Arbeitsthemen — fördert zugleich eine gemeinsame Arbeitssprache im Team.
- Klassentraining: für ganze Abteilungen oder Onboarding-Kohorten mit einheitlichem Curriculum je Niveau (A1–C1).
Schritt 3: Training in den Arbeitsalltag einbauen
Kurse nach Feierabend werden häufig abgebrochen. Planen Sie das Training möglichst in die Arbeitszeit ein, mit festen Wochenterminen, die zu Schicht- und Dienstplänen passen. Online-Training spart Wege, Präsenztraining vor Ort stärkt den Teamzusammenhalt; hybride Modelle verbinden beides.
Am meisten wirkt Training, das Material aus dem eigenen Arbeitsalltag nutzt: echte E-Mails, Formulare, Sicherheitsunterweisungen oder typische Gespräche mit Kund:innen und Kolleg:innen.
Schritt 4: Fortschritt messen
Eine Einstufung zu Beginn, klare Lernziele und regelmäßiges Reporting zeigen HR und Führungskräften, ob das Training wirkt — und machen das Budget intern begründbar. Interlexico organisiert Einstufung, Termine, Trainerzuordnung und Fortschritts-Reporting über die Plattform Interlexico ONE.
Steuern und öffentliche Angebote
Vom Arbeitgeber bezahlte Deutschkurse für Mitarbeitende mit anderer Muttersprache sind nach Auffassung des Bundesfinanzministeriums (Schreiben vom 4. Juli 2017) kein Arbeitslohn, wenn der Arbeitgeber Deutschkenntnisse für die Tätigkeit verlangt. Klären Sie Einzelfälle mit Ihrer Steuerberatung.
Ergänzend gibt es öffentlich geförderte Angebote wie die Berufssprachkurse des BAMF, die über zugelassene Kursträger laufen und eigene Voraussetzungen haben. Aktuelle Informationen erhalten Sie beim BAMF oder beim Arbeitgeber-Service der Agentur für Arbeit. Betriebliche Trainings ergänzen solche Kurse, wenn es um Fachsprache, flexible Termine oder Inhalte aus Ihrem Unternehmen geht.